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Der Scherenschnitt nach Matisse
Ein näherer Einblick 08 Sep 2014

Der Scherenschnitt nach Matisse

Henri Matisse war ein Genie der Malerei und des Zeichnens. Doch wie gut kennt man seine Collagen? Die Tate Modern in London hat beschlossen, dem Meister eine große Retrospektive zu widmen, um eine weitere seiner (vielen) Facetten zu erforschen.

Matisse

Ursprünge der Collagen von Matisse

Die Collagen tauchen erst spät und eher beiläufig in Matisse‚ Leben auf. Seine Krankheit bremst ihn in seinem Schaffen, er bewegt sich kaum noch aus seinem Haus. Die Ärzte gaben ihm noch sechs Monate zu leben, aber um den Krebs zu bekämpfen und trotz seines Leidens, schuf Matisse von seinem Haus aus, das er nach und nach in ein Atelier umwandelte, eine Reihe von Werken. Schon bald kam ihm die Idee, große Papierbögen auszuschneiden. Diese Technik war weniger körperlich anstrengend und ermöglichte es ihm, während der Arbeit sitzen zu bleiben. Ohne es zu wissen, hatte Matisse ein neues Medium erfunden.

Matisse

Schließlich bewies Henri Matisse den Ärzten, dass sie sich geirrt hatten und widerstand der Krankheit lange Zeit. In den 1940er Jahren ist er äußerst produktiv und fertigt Hunderte von Collagen an, manchmal für spezielle Aufträge (Poster, Triptychen, Wandarbeiten usw.), manchmal einfach nur für sich selbst.

Die Schere als neuer Pinsel

Matisse wird von Assistenten begleitet, die ihm bei der Herstellung dieser Collagen helfen, die manchmal mehrere Meter lang und hoch sind. Der erste Arbeitsschritt besteht darin, große Papierbögen mit kräftigen Farben zu bemalen. Diese Aufgabe wird von einem Assistenten oder von Matisse selbst ausgeführt. Anschließend besteht der zweite Schritt, der dem Meister vorbehalten ist, darin, die Formen aus diesen Tapeten auszuschneiden. Als es schließlich ans Zusammensetzen ging, machte Matisse Versuche an den Wänden seines eigenen Hauses. Eine Handvoll Reißnägel, ein Assistent auf einer Trittleiter, Matisse, der in der Ferne sitzt und die Handgriffe des Assistenten anleitet, und schließlich mehrere Stunden oder Tage die vergehen, bevor er das erhoffte Ergebnis erhält.

Matisse

Dank dieser Technik des Papierschnittes fand Matisse die Fluidität des Pinsels mit einer einfachen Schere wieder. Seine Beherrschung des Scherenschnitts ermöglicht es ihm, seine malerischen Darstellungen wieder so zu kontrollieren, wie er es in seinen jüngeren schöpferischen Jahren getan hatte. Der Künstler fand das Spiel mit Licht, Farben und Formen wieder und verblüffte viele mit seinen Farbimprovisationen.

Matisse

Wir befinden uns am Ende von Matisses Leben, dennoch sind diese Werke voller Lebendigkeit. Die Farben sind scharf, die Formen tänzerisch; man wird von der scheinbaren Einfachheit der Arbeit verführt. Wie er selbst gerne sagte, gelang Matisse das Kunststück, „mit einer Schere zu zeichnen“.

„Das geschnittene Papier ermöglicht es mir, in der Farbe zu zeichnen. Es handelt sich für mich um eine Vereinfachung. Anstatt den Umriss zu zeichnen und die Farbe darauf zu platzieren – wobei das eine das andere verändert – zeichne ich direkt in der Farbe, die umso maßvoller ist, da sie nicht umgesetzt wird. Diese Vereinfachung garantiert eine Präzision bei der Zusammenführung der beiden Mittel, die nur noch eins sind.“ Henri Matisse


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